Deep Stop

tech_diving_decompressionprocedures.jpgSchon mal vom Begriff “Deep Stop” gehört? Mit dem Deep Stop bezeichnet man Deko-Stops in unter 10m Tiefe, welche bis vor kurzem primär von technischen Tauchern zum Einsatz kamen. Neuste Forschungsresultate und Studien zeigen jedoch, dass Deep Stops entscheidend zur Reduktion des Dekounfall-Risikos beitragen könnten. Das Divers Alert Network (DAN) forscht an vorderster Front mit und hat bereits erste Empfehlungen für Deep Stops auch bei sportlichen Tauchern veröffentlicht. Wir nehmen dies als Grund, einige Hintergründe und Informationen zu diesem Thema aufzuarbeiten und dem Taucher zur Verfügung zu stellen. Entscheidenden Wert wird dabei auf die Umsetzbarkeit bzw. den Einfluss auf den Sporttaucher gelegt. “Deep Stops” sind also nicht mehr länger nur eine Domäne der Techies, sondern sollten auch dem Sporttaucher ein Begriff sein. Nach dem Studium dieses Berichtes solltest Du gewapnet sein.

Die Dekompressionskrankheit stellt für viele Taucher der Schrecken schlechthin dar. Die Dekompressionstabellen nach denen getaucht wird sind in den letzten 20 Jahren teils signifikant verändert worden, dennoch scheinen die Fälle von Dekompressionskrankheiten nicht bedeutend zurückzugehen. Auch die Einführung und die Etablierung des Tauchcomputers hat an dieser Tatsache wenig verändert. Die Zahl der Fälle von Dekompressionskrankheiten scheinen unabhängig von Alter, Geschlecht, verwendeter Tabelle oder Computer gleich zu bleiben. Woran könnte dies liegen? Interessanterweise wurde die Aufstiegsgeschwindigkeit und die Art der Deko-Stops in den letzten Jahren parktisch nicht verändert – liegt da ev. der Schlüssel zum Erfolg? Neuste Studien zeigen, dass sogenannte Deep Stops bei der Reduktion des Dekounfall-Risikos helfen könnten.

Das Divers Alert Network (DAN) sammelt Daten zu Tauchunfällen auf der ganzen Welt und ist als eine der wenigen Organisationen in der Lage, aussagekräftige Statistiken zu produzieren. In einer Studie wurde die Art der Dekompressionskrankeiten genauer untersucht und es zeigte sich folgende Verteilung beim Sporttaucher:

  • 25% DCS Typ I (Schmerzen, Hautirritationen, “The Bends”)
  • 65% DCS Typ II (Neurologische Konsequenzen)
  • 10% arterielle Embolien

Die meisten Doku-Unfälle sind entsprechend neurologischer Art und haben ihren Ursprung eher im Hirn und dem Rückenmark als in anderen Geweben und Gelenken.

Basierend auf der Theorie von Haldanian (1906) wurde die Sättigung- und Entsättigung des Gewebes auf fünf Kompartimente (Gewebetypen) vereinfacht. Diese reichen von sehr schnell sättigend bis sehr langsam sättigend (und entsprechend auch entsättigend). Basierend auf diesen Annahmen wurden viele Deko-Tabellen berechnet, darunter auch die US Navy Tabelle (von welcher wiederum der RDP abgeleitet wurde). Man ging davon aus, dass für die Dekokrankheit primär die langsamen Gewebe verantortlich seien, da die schnellen ja entsprechend schnell entsättigt sind und keine Komplikationen verursachen sollten.

Wenn wir uns einen typischen Tauchgang eines Sporttauchers anschauen (kurze Tauchzeit, mittlere Tiefe), so werden bei ihm primär die schnellen Gewebe gesättigt, d.h. Blut oder stark durchblutete Gewebe (wie das Rückenmark). Diese Theorie wird auch durch die angetroffenen Typen von Deko-Unfällen unterstützt.

 

Deep Stopps – Eine neue Idee?

Studien über verschiedene Aufstiegsgeschwindigkeiten zeigten eine nicht unbedingt einleuchtende Tatsache: Schnellere Aufstiege mit Zwischenstopps sind effizienter im der Entsättigung als ein langsamer Aufstieg ohne Stopps. Bereits 1906 kam Haldane zum Schluss, dass ein Taucher relativ schnell bis zur halben Maximaltiefe des Tauchgangs ohne DCS Risiko aufsteigen kann. Diese Regel wurde als 2:1 Dekompressions-Stopp oder “Stage Decompression” bekannt. Trotzdem lehren wir heute, dass ohne Zwischenstopp von 30m Tiefe aufgetaucht werden kann. Wieso?

Historisch gesehen wurde die US Navy Tabelle aufgrund von Versuchen ermittelt. Dabei zeigte sich, dass für die gut trainierten Navy Taucher ein rascher Aufstieg zur Oberfläche offensichtlich kein all zu grosses DCS Risiko darstellte. Bei der Anwendung der gleichen Tabelle auf Sporttaucher nahm die Zahl der DCS (Typ II) Unfälle rapide zu. Wieso also nicht auf die Theorie von Haldane zurückgreifen und einen Deep Stopp einführen? Jetzt kann argumentiert werden, dass bereits ein Sicherheitsstopp auf 3-5m für 3-5 Minuten von den meisten Tauchern durchgeführt wird. Dies scheint aber in den wenigsten Fällen den gewünschten Erfolg zu bringen. Was wäre, wenn wir einen zusätzlichen Deep Stopp durchführen würden? 

 

Deep Stopps helfen

DAN führt einen Versuch zu diesem Thema durch und liess verschiedene Probanden (mehr als 1000) nach unterschiedlichen Profilen tauchen. Taucher, welche einen Deep Stopp durchführten konnte die Gasbildung in den Geweben auf praktisch null reduzieren. Basierend auf den DAN Studien kann die folgende Empfhlung abgegeben werden:

Für Tauchgänge tiefer als 30m sollte mit rund 10m / Minute aufgestiegen werden. Ein Deep Stopp auf 15m für 5 Minuten und ein Sicherheitsstopp auf 6m für 5 Minuten sollten durchgeführt werden.

In Zukunft werden sicherlich weitere Studien in diesem Bereich durchgeführt und hoffentlich zu weiteren Erkentnissen führen. Weiterführende Informationen können bei DAN gefunden werden, z.B. in der diesem Artikel zugrundeliegenden Studie.

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