Interview: Ein anstrengender und sehr herausfordernder Beruf

Ein Berufstaucher erzählt von seinem Alltag.

9. Oktober 2019, Christoph Mäder, SWISS DIVERS

Christoph Mäder – selbst ein begeisterter und erfahrender Sporttaucher – hat diesen Sommer (2019) erfolgreich die Schreinerlehre abgeschlossen. Im zweiten Lehrjahr musste er für die Berufsschule eine Vertiefungsarbeit schreiben und präsentieren. Dabei beschäftigte er sich intensiv mit den Themenkreisen: “Geschichte des Tauchens” und “Berufstauchen“. Das SWISS DIVERS-Tema hat entscheiden, das für diese Vertiefungsarbeit entstandene Interview, mit Ralf Zwahlen von der Willy Stäubli Ing. AG, zu veröffentlichen:

Vorschläge für den nächsten Interview Gast?

Wir werden versuchen zweimal Jährlich ein Interview mit einem Taucher zu veröffentlichen. Diese Interviews wollen wir mit ganz normalen Menschen die etwas besonderes erlebt haben oder tun führen. Es soll ein klarer Bezug zur Schweiz und zum Tauchen bestehen. Der Interview-Gast sollte zudem etwas zu erzählen haben, was andere Taucher interessieren könnte.

Falls es Vorschläge gibt, nehmen wir diese gerne unverbindlich über das Kontaktformular entgegen.

Das SWISS DIVERS-Team.

Wie viele Berufstaucher gibt es in deinem Betrieb?

Wir sind ein Team von fünf Berufstauchern.

Ist die Nachfrage nach diesen Jobs gross?

Ja, definitiv. Eigentlich zu gross. Meist sind die Vorstellung davon jedoch total unrealistisch. Viele wollen Hobby und Beruf verbinden. Sie übersehen im ersten Moment, dass das Berufstauchen nicht ausschliesslich mit Spass und Fische beobachten zu tun hat. Es ist ein anstrengender und sehr herausfordernder Beruf. Ich z.B. gehe in meiner Freizeit kaum noch Gerätetauchen. Was ich trotzdem mache ist Apnoetauchen – tauchen ohne ein Tauchgerät.

Wie bist du zum Berufstauchen gekommen?

Ich hatte nie das Bedürfnis als Tauchlehrer in einer Freiendestination zu arbeiten. Mich hatte die handwerkliche Seite des Berufstauchens interessiert. Durch persönliche Kontakte war ich zu diesem Job gekommen. Als Grundausbildung hatte ich eine Schlosserlehre abgeschlossen. Danach habe ich einige Zeit bei der Armee als Einsatztaucher gearbeitet.

Welche Ausbildungen benötigt man um als Berufstaucher in der Schweiz arbeiten zu dürfen?

Wie kann man Berufstaucher werden?

In der Schweiz gibt es keine staatlich anerkannte Ausbildung zum Berufstaucher. Die Polizei und die Schweizer Armee bilden selbst, spezialisierte Einsatztaucher aus, was ein Startpunkt in das Berufstauchen sein kann.

Viele Schweizer Berufstaucher lassen sich im Ausland ausbilden: In Deutschland gibt es eine zwei-jährige Berufsausbildung zum Berufstaucher. In Scotland, Frankreich, Südafrika, Kanada und den USA gibt es Einrichtungen, die international anerkannten Ausbildungen für Offshore-Taucher anbieten. Z.B: bei IMCA.

Das Meiste ist trotzdem “learing by doing”. Es gibt aber Grundvoraussetzungen, welche erfüllt sein sollten:

  • Eine abgeschlossene Grundausbildung in einem handwerklichen Beruf.
  • Im Alter zwischen 18 und 40 Jahren.
  • Ärztlich bestätigte medizinische Tauglichkeit.
  • Ein erfolgreich abgeschlossenes Sporttauchbrevet: CMAS **.
  • Führerausweis.
  • Motorbootsführerschein.
  • etc.

Es ist zu darauf hinzuweisen, dass das Berufstauchen nicht idyllisch ist. Natürlich kann man Hobby und Beruf verbinden und man verdient angemessen. Das Suchen nach vermissten Personen, die Temperaturen, die schlechte Sicht, die hohe körperliche Anstrengung, die hohe Verantwortung sowie die gesundheitlichen Risiken, sind Negativpunkte die diesen Beruf schnell zu einer Belastung werden lassen.

Lese mehr: Berufstaucher, berufsberatung.ch>>

In der Schweiz gibt es keine spezifische Ausbildung. Es ist alles “learning by doing.” Was als Grundvoraussetzung von unserer Firma erwünscht wird, ist eine höheres Sporttauchbrevet und eine Berufsausbildung im handwerklichen Bereich, wie z.B. Schlosser oder eine Lehre im Baugewerbe.

Wie gut ist Bezahlung? Bist du als Berufstaucher besser bezahlt als ein gewöhnlicher Handwerker?

Ja, ein wenig besser verdienen wir schon. Wir sind grösseren Risiken ausgesetzt und der körperliche Verschleiss ist auch höher.

Wie bist du versichert?

Über die SUVA.

Mit welchen Geräten und Material arbeitest du unter Wasser?

Wir arbeiten hauptsächlich mit hydraulisch (Öldruck) oder pneumatisch (Druckluft) angetriebenen Werkzeugen. Diese entsprechen weitgehend jenen, welche auch über der Wasseroberfläche verwendet werden. Teilweise sind heute auch wasserdichte Akkus in Einsatz. Die Leistung akkuversorgter Maschinen ist natürlich viel geringer. Wir haben Motorsägen, Bohrmaschinen, Trennscheiben, Brennschneider, Schweissgeräte und manchmal nutzen wir sogar Sprengstoff. Die Geräte hängen an einem langen Seil an einer Boje. So schweben sie immer auf Arbeitshöhe und sind jeder Zeit in Greifnähe. Kameras und Lampen sind ebenfalls unerlässlich.

Was für Aufträge führst du als Berufstaucher aus?

Zum Beispiel Saug- und Spülearbieten bei Wasserkraftwerken und Staumauern. Errichtung oder Reparaturen bei Ansaugstutzen in Seen. Bauen und Instandhalten von Stegen und Hafenanlagen sowie elektrische Leitungen im Wasser verlegen.

Bist du täglich im Wasser? Und in welchen Gewässern?

Ja, wir sind jeden Tag im Wasser. Der Einsatzort kann täglich variieren. Einmal im Fluss, dann im See oder in einem Weiher. Auch in Kläranlagen (kontaminiertem Wasser) oder in Brunnenstuben (Trinkwasser) der Wasserversorgungen arbeiten wir. Unsere Arbeitstiefe ist sehr unterschiedlich. 40 Meter Tiefe können es schon sein, je nach Einsatz.

Mit welchem Tauchequipment bist du ausgerüstet?

Bei kürzeren Taucheinsätzen nehmen wir herkömmliche Tauchflaschen und eine Vollgesichtsmaske oder einen Taucherhelm. Als weitere Variante werden grosse Standflaschen auf einem Transporter verwendet, welche die Luft über einen Schlauch zuführen. Bei einem sehr lagen Einsatz unter Wasser, wird das Atemgas via Kompressor nach unten transportiert. Eine mobile bemannte Schaltzentrale stellt die Funkverbindung und die Beleuchtung sicher.

Mit welchen Gemischen tauchst du bei deiner Arbeit?

Getaucht wird mit speziellen Gasgemischen, welche auf die Tiefe des Tauchgangs abgestimmt sind. In der normalen Luft sind 21% Sauerstoff und 79% Stickstoff enthalten. Wir tauchen oft mit einem Gemische, das 32% Sauerstoff und 68% Stickstoff enthält. (=Nitrox 32) Mit einem solchen Gemisch sollte man maximal auf 37 Meter Tiefe tauchen. Möchte man tiefer tauchen, muss der Sauerstoffanteil reduziert werden. Helium wird als drittes Gas bei Tauchgängen ab ca. 40 Meter Tiefe beigemischt (=Trimix), um eine Sauerstoffvergiftung zu verhindern. Anhand von Tabellen, Tauchcomputer und der Überwachung durch einen Mitarbeiter oberhalb der Wasseroberfläche, stellen wir sicher, dass wir niemals ein für uns schädliches Gemische atmen.

Willy Stäubli Ing. AG, Horgen

Wasserbau ist die Kernkompetenz der Willy Stäubli Ing. AG.

Die Willy Stäubli Ing. AG ist ein Baudienstleister der alle Tätigkeiten bei Taucharbeiten und im Stahlbau anbietet. Die Beratung, Berechnung, Planung, Ausführung und den späteren Unterhalt bekommt der Kunde aus einer Hand. Seit 1930 beschäftigt die Firma Willy Stäubli Ing. AG Berufstaucher. Diese langjährige Erfahrung hilft Bauprojekte effizient und fachgerecht umzusetzen. Taucharbeiten bei engen Platzverhältnissen, grossen Tiefen und bei schlechter Sicht sind nicht zu unterschätzen.

Willy Stäubli Ing. AG

Was gibt es zum Helmtauchen zu erzählen?

Erwähnenswert ist sicher unser Free-Flow-Helm. Der ganze Helm ist mit Luft gefüllt. Dabei muss regelmässig ein Druckausgleich stattfinden. Um diesen sicher zu stellen ist der Helm mit einem Ventil ausgestattet, welches mit einer seitlichen Kopfbewegung betätigt werden kann. Eine Luftdusche verhindert das Anlaufen des Sichtfensters. Eine Manschette aus Neopren oder Latex stellt die Verbindung zwischen Helm und Trockentauchanzug her. Auf dem Helm kann eine Lampe angebracht werden.

Gibt es spezielle Sicherheitsmassnahmen?

Führen wir Arbeiten auf einer Höhe von über 2’000 Meter über Meer aus, wo ein Helikopter wetterbedingt nicht immer fliegen kann, bringen wir unsere eigene Dekompressionskammer mit. Auch den Kompressor nehmen wir bei längeren Einsätzen immer mit. Entweder als Füllstation (inkl. Membrananlage) um die Druckluftflaschen zu befüllen oder um damit die Luft direkt über einen Schlauch nach unten zu pumpen.

Herzlichen Dank Ralf, für die spannenden Einblicke in deinen Berufsalltag. Danke, dass du dich für dieses Interview zur Verfügung gestellt hast!

Entstehung und Quellen:

    • Interview von Christoph Mäder mit Ralf Zwahlen vom 4.12.2018. (Aus “Einblicke in die Tauchgeschichte“, eine Vertiefungsarbeit von Christoph Mäder, am 18.12.2018 eingereicht bei Andrea Derungs)
    • Veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung von Christoph Mäder, Ralf Zwahlen, der Baugewerbliche Berufsschule Zürich (Peter Stocker) und der Willy Stäubli Ing. AG in Horgen. (Samuel A. Jucker)
    • Redigiert und gestaltet von SWISS DIVERS, Stefan.
    • Fotos: Christoph Mäder und Felix Aeberli.

Interview: Ein Leben für die Haie

Dr. Erich Ritter ist einer der weltweit bekanntesten Haiforscher.

26. März 2019, Stefan, SWISS DIVERS

Erich Ritter ist in Zollikon (ZH) aufgewachsen und studierte Biologie an der ETH Zürich sowie Zoologie und Paläontologie an der Universität Zürich. Nach seiner Promotion arbeitete er an der University of Miami. Seit seiner Kindheit interessierte er sich für Haie, wobei deren Verhalten ihn in speziellen interessierte. Die Hai-Mensch-Beziehung sowie die Analyse und Rekonstruktion von Haiunfälle stehen heute im Zentrum seiner Arbeit.

Erich Ritter arbeitet heute für die University of West Florid und ist als Leiter der SharkSchool (www.sharkschool.org) international bekannt geworden. Neben der US Navy gehören auch unterschiedliche Lebensrettungs- und Tauchorganisationen zu seiner Kundschaft.


Welches Erlebnis löste bei dir die Hai-Faszination aus?

Als ich sechs Jahre alt war, sah ich zum ersten Mal Haie im Fernsehen sah. Das war der Beginn.

Ist das Tauchen für dich selbst nur ein Mittel um Haien näher zu kommen? Oder tauchst du auch aus anderen Gründen?

Das Tauchen ist für mich meist nur ein Mittel zum Zweck. Die Freude am Tauchen ist aber nach wie vor vorhanden. Ich bin selbst Tauchlehrer, unterrichtete aber seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Bei der Arbeit mit den Haien erledige ich vieles schnorchelnd oder apnoetauchend. Trotzdem bleibt das Gerätetauchen ein sehr wichtiges Hilfsmittel um mit Haien zu arbeiten und Experimente durchzuführen.

Welches war das eindrücklichste Erlebnis, welches du mit einem Hai im Meer gemacht hattest?

Es ereignete sich während einem Apnoetauchgang mit einem Weissen Hai. Alles war grau in grau, es regnete und die Sicht war entsprechend ziemlich mies. Das Tier schwamm direkt auf mich zu und nur war noch etwa 3 Meter von mir entfernt, als plötzlich der Himmel aufriss und die Sonne das Auge des Hais aufleuchten liess. Damals realisierte ich zum ersten Mal, dass das Auge nicht schwarz – wie angenommen – sondern blau war!

Hattest du noch nie Angst vor einem Hai?

Nein. Dieses Gefühl kam noch nie auf, weil ich von Anfang an überzeugt war, dass Haie nicht gefährlich sein können und dass das gängige Bild von ihnen falsch sein muss.

Vorschläge für den nächsten Interview Gast?

Wir werden versuchen zweimal Jährlich ein Interview mit einem Taucher zu veröffentlichen. Diese Interviews wollen wir mit ganz normalen Menschen die etwas besonderes erlebt haben oder tun führen. Es soll ein klarer Bezug zur Schweiz und zum Tauchen bestehen. Der Interview-Gast sollte zudem etwas zu erzählen haben, was andere Taucher interessieren könnte.

Falls es Vorschläge gibt, nehmen wir diese gerne unverbindlich über das Kontaktformular entgegen.

Das SWISS DIVERS-Team.

Wie war das bei deinem persönlichen Haiunfall im Jahre 2002?

Es war eigentlich ein ganz normaler Tag und auch unser Vorgehen war alltäglich. Wie immer stand ich im hüfttiefem Wasser um mit Haien zu arbeiten. Damals erfasste ich Schwimmmuster, mit denen ich herauszufinden wollte, wie Haie im flachen Wasser agieren. Wie immer hatte ich einen Spotter (Beobachter) auf einer Plattform hinter mir platziert, der mich jeweils warnte, falls mir ein Hai unbemerkt, zu nahe kam.

Das Aussergewöhnliche war, dass ein Fernsehteam vor Ort war. Deshalb stand auch ein Moderator im Wasser neben mir. Der Spotter war abgeleckt und ein Tier näherte sich mir von hinten und machte einen Testbiss. Dieser erste Gaumenbiss war zwar schmerzhaft, aber nicht sonderlich tragisch. Auf den ersten leichten Biss folgte sehr schnell ein zweiter, mit welchem mich der Hai versuchte in tieferes Wasser zu ziehen.

Zuerst verlor ich den Boden unter den Füssen, doch dann gelang es mir mit dem rechten Bein Halt zu finden und ich hob das linke so hoch es ging, um den Hai zu zwingen sein Maul zu öffnen. Danach ging alles sehr schnell: Ich blickte auf die Wunde und realisierte, dass eine Arterie verletzt war. Es begann ein Rennen gegen die Zeit. Ich verlor sehr schnell sehr viel Blut! Doch ich gewann letztlich dieses Rennen, obwohl ich mehr als 60% meines Bluts verloren hatte, bis ich im Krankenhaus ankam.

Mit welchen Spätfolgen dieses Unfalls kämpfst du bis heute?

Meinen linker Fuss kann ich nicht mehr bewegen, was mich bei gewissen Aktivitäten einschränkt. Das eine oder andere kann ich deshalb nicht mehr tun.

Wieso setzt du dich trotzdem immer noch für die Erhaltung dieser Tiere ein?

Es war nicht die Schuld des angreifenden Hais. Das Tier machte lediglich das, was man in einer solchen Situation von ihm erwarten konnte. Genau deswegen hatten wir immer einen Spotter platziert gehabt.

Hätte ich aufgegeben, wäre dies der grösste Erfolg für alle Haigegner gewesen:
«Nun da derjenige gebissen wurde, der immer sagte, dass Haie ungefährlich sind… und deshalb aufhörte…»
Damit hätte ich den Haien weltweit einen sehr grossen Schaden zugefügt.

Dieser Unfall war der Beginn einer neuen Richtung meiner Forschungen. Ich realisierte, dass wir lernen müssen die Hai-Mensch-Interaktion aus der Sicht der Haie und deren mentalen Kapazität zu verstehen. Der daraus kreierte Begriff heisst: «Mental capacity oriented animal perspective».*

*) Übersetzt auf Deutsch in etwa: «Mentalkapazitätsorientierte Tierperspektive»

Dr. Erich Ritter taucht.


Was können Schweizer Taucher in der Inn- oder im Ausland ganz konkret tun um Haie zu schützen?

Haie können effektiver geschützt werden, wenn mehr wahrheitsgetreues Wissen über sie verbreitet wird. Nur durch mehr Informationen kann das schlechte Image der Haie überwunden und ein politischer Druck für ihren Schutz aufgebaut werden. Das Beste ist es deshalb, sich aktiv zu äussert, wenn jemand im eignen Bekanntenkreis über Haien spricht oder man etwas in den Medien über sie liest.

Wieso muss man als Taucher normalerweise keine Angst vor Haien haben?

Der Grund liegt darin, dass Taucher sich meist nahe am Grund aufhalten, sich grösstenteils gut umschauen können und so einen Hai direkt ansehen können.

Bedeutet dies, dass Haie nicht angreifen, wenn man sie beobachtet oder direkt anschaut?

In der Regel bewirkt der Augenkontakt ein gewisses in Schach halten. Der Augenkontakt darf mit einem Hai nie (!) unterbrochen werden, auch nicht wenn er scheinbar weg schwimmt. Viele Haiarten verfügen über ein 360-Grad-Sichtfeld und man muss jederzeit davon ausgehen, dass sie nach hinten schauen. Wann immer ich mit Grosshaien arbeite, konzentriere ich mich ganz auf sie so, dass ich den Augenkontakt immer aufrecht erhalte.

Wieso greifen Haie eher an der Wasseroberfläche an?

Es gibt verschiedene Gründe weshalb Haiunfälle mehrheitlich die Oberfläche geschehen. Der wichtigste Grund ist ein rein statischer: Viel mehr Menschen begegnen an der Oberfläche Haien. Z.B. beim schwimmen, baden oder surfen. Die Anzahl der Taucher und Speerfischer ist dagegen viel kleiner.

Wasserlebewesen die an der Oberfläche schwimmen sind entweder krank oder sehen den Hai nicht kommen. Deshalb erscheinen sie für Haie als sehr interessante, potentiell leichte Beute. Lebewesen am Meeresgrund sind dagegen weniger leicht zu erwischen.

Wie sollen sich Taucher verhalten, wenn ihnen Haie zu nahe kommen?

Angenommen, dass sich das Tier für den Taucher interessiert, sollte er seine Vorwärtsbewegung einstellen, sich in eine vertikale Position begeben, die Beine hängen lassen und sich mit den Händen so bewegen, dass er den Hai im Auge behalten kann.

Was sollen Taucher auf keinen Fall tun, im Zusammenhang mit Haien?

Unabhängig von der Haigrösse sollte man nie (!) von einem Hai weg schwimmen. Ebenso sollte man einen Hai nie versuchen zu schlagen, wenn er zu nahe kommt. Die Devise heisst: «Face-Guide-Push-Move».

SharkSchool

Die SharkSchool ist eine weltweit aktive Institution, die jedem Taucher, Schwimmer, oder auch Surfer es ermöglicht die Körpersprache der Haie zu erlernen. In einem einwöchigen Workshops lernt man nicht nur mit den Tieren zu interagieren, sondern auch zu erkennen, wenn ein Hai unruhig wird, wenn er sich gestresst fühlt oder auch wie man ihn entspannen kann.

SharkSchool

 

«Face-Guide-Push-Move»**? Was bedeutet das genau?

FGPM ist eines der wichtigsten Kürzel bei der Interaktion mit Haien:

    1. Face:
      Als erstes bringt man sich immer in eine vertikale Position und richtet sich in Richtung des Hais aus.
    2. Guide:
      Sollte der Hai so nahe kommen, dass er weg geschoben werden muss, sollte man dies nur tun, wenn man ihn mit ausgestrecktem Arm in vertikaler Position erreichen kann ohne, dass man sich nach vorne beugen muss.
    3. Push:
      Falls der Hai direkt auf die Person zu schwimmt (eher selten), so muss man ihn weg drücken.
    4. Move:
      Kommt der Hai danach wieder zurück, so ändert man die Strategie und schwimmt direkt auf das Tier zu.

Dieses Verhalten bewirkt meist das Abdrehen des Hais. Oft verliert er das Interesse an der Person. Die gesamten Ritter-Regeln kann man auf unserer Webseite detailliert nachlesen!

**) Übersetzt auf Deutsch in etwa: «gegenüberstellen – leiten – drücken – bewegen»

Wo lebst du und wie sieht dein Alltag normalerweise aus?

Ich lebe seit 30 Jahren in Pensacola, Florida, wo ich oft meine theoretischen Arbeiten erledige. Wenn ich Kurse gebe, halte ich mich irgendwo auf der Welt auf. Einfach dort wo gerade Haisaison ist. Für die Forschung begebe ich mich meist auf die Bahamas. Etwa 300 Tage pro Jahr bin ich für gewöhnlich nicht zuhause. Normalerweise erledige ich meine Experimente vormittags und unterrichte am späteren Nachmittag, bis in den frühen Abend hinein. Wann immer möglich versuche ich eine gewisse Routine in meinen Alltag zu bringen, was jedoch nicht immer gelingt.

Wie hat die jahrelange Arbeit mit den Haien dich persönlich verändert?

Sie hat mich sehr verändert! Als Kind war ich immer gerne draussen, am See oder im Wald. Ich fühlte mich schon damals von den Tieren und der Umwelt sehr angezogen. Über all die Jahre hinweg, in denen ich das Privileg hatte mit Haien zu arbeiten, hat sich dieses Gefühl zusehends verstärkt. Dadurch habe ich mich mehr und mehr von der Gesellschaft zurückgezogen. Ich lebe teilweise in einer anderen Welt, als die Menschen um nicht herum. Diese andere Welt macht es mir manchmal nicht leicht mich in der “gewöhnlichen” Welt zu bewegen.

Was würdest du jemandem Raten, der auch Haiforscher werden möchte?

Sie/er soll sich direkt bei mir zu melden um die Möglichkeiten zu diskutieren.

Erich, vielen Dank für dieses Interview. Und immer gut Luft!

Dr. Erich Ritter während einem Interview.

Interview: Zweieinhalb Jahre als Tauchlehrer im Ausland

Ein junger Schweizer arbeitete, während einer 31-monatigen Auszeit, auf unterschiedlichen Kontinenten als Tauchlehrer.

25.10.2018, Stefan, SWISS DIVERS

Es ist Samstagnachmittag und Jonas sitzt mir im Intercity gegenüber. Während er spricht wechseln seine wachen blauen Augen, immer wieder von mir zum Thunersee, welcher gerade am Fenster vorüberzieht. Der 24-Jährige und sein jüngerer gehörloser Bruder waren im Berner Oberland montainbiken. Ich begleite Jonas für dieses Interview, auf seinem Weg zurück zur Studenten-WG in der Nähe von Bern, wo er derzeit wohnt. Während dem Gespräch, blickt er mir immer wieder direkt in die Augen, wenn er etwas besonders betonen möchte.

Ich hatte Jonas vor etwa zwei Jahren auf einem Tauchboot in Australien kennen gelernt. Er ist seit einigen Jahren, unter seinem richtigen Namen, Mitglied des SWISS DIVERS-Forums, will aber für dieses Interview anonym bleiben. Deshalb nennen wir ihn in diesem Text Jonas.

Wo überall hast du als Tauchlehrer gearbeitet während den 31 Monaten?

In New Zealand habe ich das IDC/IE* gemacht und für fünf Monate erste Erfahrungen als Instructor gesammelt. Über die Sommersaison 2017 arbeite ich in Malta auf einer von Deutschen geführten Tauchbasis. Über Weihnachten/Neujahr 2018 war ich für zwei Monate auf den Molukken als Aushilfe bei einem befreundeten Basisbesitzer angestellt.

(* IDC = PADI Instructor Development Course – Tauchlehrerausbildung / IE = PADI Instructor Exam – Tauchlehrerprüfung)

Vorschläge für den nächsten Interview Gast?

Wir werden versuchen zweimal Jährlich ein Interview mit einem Taucher zu veröffentlichen. Diese Interviews wollen wir mit ganz normalen Menschen die etwas besonderes erlebt haben oder tun führen. Es soll ein klarer Bezug zur Schweiz und zum Tauchen bestehen. Der Interview-Gast sollte zudem etwas zu erzählen haben, was andere Taucher interessieren könnte.

Falls es Vorschläge gibt, nehmen wir diese gerne unverbindlich über das Kontaktformular entgegen.

Das SWISS DIVERS-Team.

Was hast du sonst noch alles getan während deiner Zeit im Ausland?

Ich leistete einen sieben-monatigen Zivildienst-Einsatz im Ausland, für ein Schweizer Hilfswerk. Ich reiste und machte Fun-Tauchgänge in New Zealand, auf Fiji, in Australien, Papua New Guinea, Thailand, Singapur und Malaysia. Zweimal war ich auch für eine Woche in der Schweiz um erneut loszuziehen.

Wo und wann wurdest du mit dem Tauch-Virus infiziert?

Im Alter von 16 Jahren, nahm ich an einem Schnuppertauchen in Thailand teil. Ich war so begeisterst davon, dass ich gerne sofort einen Tauchkurs begonnen hätte. Ein halbes Jahr später, während den Sommerferien 2011, bekam ich die Möglichkeit an einem CMAS*-Kurs (CMAS-Ein-Stern) in Griechenland teilzunehmen. Danach begann ich regelmässig in der Schweiz zu tauchen. Die Faszination die das Tauchen auf mich ausübt, hat auch nach inzwischen weit über 1’000 Tauchgängen nicht nachgelassen.

Wie kam es dazu, dass du für 31 Monate ins Ausland gingst?

Ich wusste schon als Kind, dass ich einmal für längere Zeit im Ausland leben möchte. Fremde Länder und Kulturen faszinierten mich schon lange.

Als ich im Sommer 2013 mit grosser Begeisterung den CMAS*** (CMAS-Drei-Stern-Taucher) absolvierte, entstand in mir die Frage: Was kommt als nächstes? Während den Herbstferien 2013 in Ägypten, traf ich eine 23-jährige Schweizer Tauchlehrerin, die mir erzählte, dass sie gleich nach der Lehre, die Schweiz verliess und seither auf unterschiedlichen Kontinenten als Tauchlehrerin arbeite. So entstand in mir die Idee, früher oder später dasselbe zu tun.

Damals hatte ich gerade das letzte Jahr meiner Elektroniker-Lehre begonnen und ich machte mir, intensiver als je zuvor, Gedanken darüber, was nach der Lehre kommen soll? Ich wusste, dass ich studieren wollte. Aber auch eine Auszeit wollte ich nehmen, um die Welt zu erleben.

Nach einiger Zeit verwoben sich alle diese Fragen und Wünsche in meinem Kopf zu einem Plan. Dieser lautete: “Als Tauchlehrer im Great Barrier Reef zu arbeiten und so die Zeit im zu Ausland finanzieren.”

Weshalb arbeitest du schlussendlich in New Zealand und nicht in Australien?

Dies hat mit den Visumbestimmungen in Australien zu tun. Im Gegensatz z.B. zu deutschen Staatsbürgern ist es für Schweizer sehr viel schwieriger in Australien ein Arbeits-Visum zu bekommen. In New Zealand war dies einfacher.

Wie hast du das IDC/IE erlebt?

Es waren zwei ein-halb extrem anstrengende Wochen. Der psychische Druck den ich mir selbst während dem IDC aufbaute, war grösser als vor der Lehrabschlussprüfung oder der Matura. Ich hatte grosse Mühe abzuschätzen, wo ich mit meinen Lernfortschritten genau stand. Im Nachhinein gesehen stellte sich das IE als viel leichter heraus, als ich erwartete und ich war schlussendlich der “Klassenbeste” am IE.

Während dem IDC mussten viele Inhalte, in kurzer Zeit gelernt werden. Da ich selbst nie eine PADI Divemaster-Ausbildung gemacht hatte, fehlten mir einige PADI-spzifische Inhalte, die alle anderen Instuctor-Kandidaten schon kannten. Z.B. die aus meiner Sicht nicht mehr ganz zeitgemässe und unnötig komplizierte RDP/eRDP-Tabelle. Als CMAS-Taucher greift man zu richtige Dekotabellen, denen ich bis heute weit mehr vertraue als der RDP.

Nachdem ich nun über 200 Tauchschülern selbst unterrichtet habe, steht für mich fest, dass das IDC/IE nur bedingt auf die reelle Arbeit auf einer Tauchbasis vorbereitet. Was man während des IDCs vor allem lernt, ist das Suchen und richtige Interpretieren der PADI-Standards. Alles andere, was man nach meiner Meinung einem Tauchlehrer-Anwärten beibringen sollte, vermittelt das IDC zu oberflächlich oder gar nicht.

Ich hatte das Glück, dass ich nach bestandenem IDC/IE in einem Team mit erfahrenen Tauchlehren arbeiten konnte und von ihnen sehr viel lernen durfte. Dies reicht vom Umgang mit den Kunden, bis zur Seemanschaft auf dem Tauchboot.

Wie erlebtest du die Arbeit als Tauchlehrer?

Das Guiden wie das Unterreichen von Tauchschülern begeistert mich gleichermassen. Jeden Tauchgang, egal ob im Meer oder im Pool genoss ich. Der Umgang mit den Kunden war gross mehrheitlich sehr bereichernd. Touristen sind in der Regel relaxed, gut gelaunt und dankbar. Dies macht vieles einfacher. Ich arbeite auch gerne handwerklich; z.B. beim Revidieren von Flaschen, Automaten oder Bootsmotoren.

Die Arbeit auf einer Tauchbasis ist aber ziemlich streng: Neben der Müdigkeit, hervorgerufen durch die dauernde Stickstoffbelastung und der körperlichen strengen Arbeit auf dem Boot, waren vorallem die lagen Präsenzzeiten belastend. Man arbeite in der Hochsaison oft 14 oder mehr Stunden pro Tag und dies 7 Tage die Woche. Manchmal – vorwiegend im der Vor- und Nachsaison – gab es aber auch Tage oder Wochen an denen keine Kunden und somit auch keine Arbeit vorhanden war.

Obwohl es hin und wieder Unstimmigkeiten gab, erlebte ich die Zusammenarbeit in allen Tauchbaisis-Teams, als sehr positiv. Es entstanden mehre, wirklich gute Freundschaften.

Was war das schwierigste Erlebnis, dass du als Tauchlehrer gemacht hast?

Sehr schwierig waren nie zufriedene Kunden, die am Ende sogar drohen mich zu verklagen, weil sei keinen Hai gesehen hätten. Sehr anstrengend waren auch sinnlose Diskussionen mit einigen Teammitgliedern, welche nur über die Erfahrung von etwa 120 Warmwassertauchgängen am gleichen Ort verfügten. Sie benahmen sich teilweise, als hätten sie das Tauchen erfunden, waren aber unfähig zu verstehen, dass man Vieles auch anders machen kann, als sie es kannten.

Wie konntest du diese 31 Monate finanzieren?

Einerseits verdiente ich natürlich als Tauchlehrer etwas. Die Löhne sind zwar bescheiden, aber gerade genug um davon zu leben. Auf der anderen Seite hatte ich zwei Jahre lang gespart, als ich noch in der Schweiz arbeitete. Weil ich damals günstig bei meinen Eltern wohnen konnte, kam einiges zusammen. Dies gab mir einen deutlich grösseren finanziellen Spielraum, als ihn viele andere Reisende in meinem Alter und vielen meiner damaligen Mitarbeiter hatten. Ich reiste als Backacker und übernachtete in gütigen Hostels. Auf den Tauchbasen bekam ich jeweils Kost und Logis, was meine eignen Kosten klein hielt.

Das IDC/IE habe ich zu 50% bezahlt und zu 50% mit Arbeit abgegolten. Dies entlastete das Reisebudget zusätzlich, machte mich aber gleichzeitig nicht zum Sklaven der Tauchbasis. Ich war Kunde und Mitarbeiter zugleich. Ich konnte deshalb jederzeit drohen, am Ende nicht zu bezahlen.

Wo war das Tauchen am besten?

Sehr gut gefallen hat mir das Tauchen bei Kavieng auf New Ireland in Papua New Guinea. Solch üppige Riffe und so viele Fische wie dort habe ich zuvor noch nie gesehen. Jedoch auch das Mittelmeer rund um Malata hat mich sehr positiv überrascht. Die riesigen Kelpwälder in New Zealand habe ich nach anfänglicher Skepsis, wirklich auch lieben gelernt. Die Artenvielfalt in diesen Wäldern ist grösser als in tropischen Riffen. Was das Tauchen anbelangt, war ich hingegen vom Great Barrier Reef in Australien sowie von Malaysia und Thailand eher enttäuscht.

Wie hat dich die Zeit im Ausland persönlich verändert?

Ich bin offener geworden für andere Menschen. Ich bin zwar immer noch eher introvertiert. Trotzdem bemerke ich zurzeit immer wieder, dass es mir viel leichter fällt, mit anderen in Kontakt zu treten, als noch vor zwei Jahren.

Ich kenne auch mich selbst viel besser als zuvor. Ich bin mutiger geworden, wirklich mich selbst zu sein und so zu leben wie ich es möchte. Andere beeinflussen mich heute weniger stark mit ihrer Meinung.

Was würdest du anderen raten, die eine ähnliche Auszeit machen möchten?

Als ich damals mein Umfeld über meine Pläne informierte, gab es die mehr oder weniger immer gleichen Reaktionen: Nach einem ersten “Wow! Cool!” folgte jeweils einer Bemerkung wie: “Das würde ich auch gerne machen, aber ich kann nicht, weil…” Darauf folgen die unterschiedlichsten Begründungen: Zu alt, zu jung, zu beschäftigt, zu arm, zu wenig mutig, zu unerfahren, gerade in Ausbildung, Kinder, verheiratet, ect.

Ich möchte allen jenen die sich zurzeit überlegen, eine längere Auszeit zu machen und allen die damals diese Begründungen formulieren, sagen: Ich war auch zu jung, zu beschäftigt, zu arm, hatte Ängste, war unsicher, war in keiner Weise erfahren, war in Ausbildung und trotzdem war es möglich! Das genaue Planen und das komplette Loslassen der gewohnten Umgebung, gaben mir am Ende die nötige Sicherheit um es zu tun. Und heute will ich wirklich betonen, dass ich keinen Augenblick bereue, es gewagt zu haben.

Gib dir einen Ruck und wage es einfach! Träume nicht nur davon. Versuche nicht so schnell wie möglich zu gehen. Nimm dir mehrere Jahre Zeit für die Vorbereitungen. Recherchiere, plane ganz genau und langfristig.

Wie sieht deine Gegenwart und Zukunft aus?

Ich gehöre nun seit drei Monaten zum Team einer kleinen Tauchschule, in der Nähe von Bern. So ist es mir möglich, in meiner Freizeit, hin und weiter Tauchschüler zu unerreichten. Die ersten Kurse durfte ich bereits leiten.

Ich habe im Sommer mit einem berufsbegleitend Elektro- und Informationstechnik-Studium begonnen. Deshalb kann ich nun für die nächsten 8 Semester nicht einfach wieder ins Ausland gehen und dort arbeiten. Neben dem Studium arbeite ich zu 60% als Elektroniker. Ich arbeite an Entwicklungs-Projekten mit, was mindestens ebenso spannend ist, wie Tauchschüler zu unerreichten.

Was nach diesen vier Jahren Studium sein wird, weiss ich noch nicht. Ich muss nicht alles über meine Zukunft wissen und vorausplanen. Sonst wäre das Leben nicht mehr spannend.

Jonas, vielen Dank für dieses Interview. Und immer gut Luft!