Re: Re: Tiefe “touch down” Tauchgänge

Tauchen in der Schweiz Foren Re: Re: Tiefe “touch down” Tauchgänge

#39909

Anonym

Nach einigen Statements, möchte ich auch noch ein paar Bemerkungen meinerseits in die Diskussion einbringen.

Es ist zwar allgemein bekannt, dass Helium ca. 2,6 schneller diffundiert als Stickstoff, dafür aber nur 1/3 so löslich ist wie Stickstoff.
Die ganze Berechnungen von Stopps mit Helium/Trimix ist nach meiner Meinung eine Gratwanderung zwischen Diffusionsgeschwindigkeit, Löslichkeit und Anteile der Inertgase.
Ein langsamer Aufstieg mit entsprechenden Stopps ist auf jeden Fall angesagt, kommt aber auch auf die Grundzeit, Anteil von Helium und Stickstoff usw. an.
Es bestehen immer noch verschiedene Meinungen bezüglich He Gradienten.
Schaut man die Algorithmen ein bisschen genauer an, so wurden bei den meisten Berechnungsprogrammen für Trimix der He Anteil- und Löslichkeitskoeffizient angepasst und dann interpoliert.

Gemäss einigen Tests/Studien (z.B. von Hyldegaard O, Madsen J.) wurde das Blasenaufkommen von Stickstoff im Vergleich zum gleichen Anteil Helium separat analysiert und beschrieben.
Dabei stellte sich heraus, dass die Heliumblasen kleiner waren als die Stickstoffblasen doch deren Anzahl war im Vergleich höher.

In zehn Jahren tauchen wir vermutlich alle nach dynamischen Dekompressions-Modellen, welche die Dekompression und das Blasenaufkommen realistischer und besser berechnen/beschreiben als
die heutigen Perfusions- und Blasenmodelle. Auch werden zukünftig, die individuellen Parameter (Puls, Grösse, Gewicht, Körperfett, Sauerstoffaufnahme VO2max. usw.) eines Tauchers in die
Berechnung eingebunden. Dies ermöglicht die Dekompression genauer abzustimmen.

Weiter geht man heute davon aus, dass man zukünftig genauere Dekompressionsmodelle erstellen kann, indem man die Mechanismen des Blasenaufkommens –Wachstums in den Berechnungsalgorithmus
besser integriert, anstatt wie in der Vergangenheit auf die Symptome (Dekompressionskrankheit DCS1+2) als obere Limite bzw. Referenz zu setzen => also nicht mehr “nach try and error”/”try until DCS”.  😉

Die meisten Modelle (und auch Tauchcomputer) gehen meistens noch von einer symmetrischen Sättigung und Entsättigung aus!
Dabei werden in den wenigsten Dekompressionmodellen wichtige Faktoren wie Kälte/Wärme usw., also Vasokonstriktion/Vasodilatation in die Dekompressionstopps miteingerechnet/berücksichtigt.

Unlängst hat ein Tauchmediziner (R.Arieli) behauptet, dass in Bezug auf die Dekompression mit Nitrox und Trimix die heutigen Tabellen unnötig konservativ seien.  😮
Studien von Maharajh und Walkley haben gezeigt, dass z.B. die Löslichkeit des Stickstoffs bei einem EAN50 Dekompressionsgemisch um satte 84% reduziert wird, im Vergleich zum Gesetz von Henry. Darauf hat Bruce Wienke (RGBM) geantwortet, dass nach seinen Erkenntnissen und Daten die Reduktion der Inertgaslöslichkeit etwa 15% sei und mit akzeptablem Risiko könne die Tauchzeit um 30% gekürzt werden. Balestra & Germonpre (DAN Europe) meinten dazu, dass die Löslichkeit der verschiedenen Inertgase nicht linear sei und besonders bei Helium die Temperatur eine grosse Rolle spielt.

Es ist schwierig all diese Faktoren in ein Modell zu integrieren.
Ich habe mich während medizinischen und wissenschaftlichen Tests (Blasenmessungen postdive) letzten Donnerstag in Nizza mit Christian Gutvik (Copernicus Modell) auch über diese Thematik unterhalten.

Natürlich sind wir alle individuell anders „gebaut“ und somit reagiert der Körper auch anders.

Ziel der Wissenschaft und der Tauchcomputerhersteller muss aber sein, zukünftig bessere Computer und Modelle zu entwickeln.
Heutige Modelle und Dekompressionssoftware haben noch Verbesserungspotential.
So staune ich immer wieder, dass zwischen GAP und VPlanner in Bezug auf die Dekogase mit He Anteil unterschiedliche Zeiten bzw. „Bestrafungen“ von mehreren Minuten bei gleichen Parametern erhalte.
Die Frage stellt sich dann welcher Plan der richtige ist? Wie lange bleibe ich bei Mischgastauchgängen im Wasser, oder sollte ich aggressiver tauchen?
Denke eine “genauere” Antwort darauf erhält man erst Postdive, bzw. spätestens 24h nach dem Tauchgang.
Eventuell screent man noch mit Doppler/Ultraschall nach den TG’s und sammelt so die eigenen Daten/Werte um bessere Anhaltspunkte zu haben.

Gerne erwarte ich Eure Feedbacks.

Grüsse
Walter Ciscato