Süsswassergarnele im Bodensee

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Dieses Thema enthält 2 Antworten und 0 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Excalibur vor 8 Jahre, 1 Monat.

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    Octopus
    Taucher

     
    Im Tagblatt St.Gallen gefunden
    Ökologisches Roulette

    Bodensee: Eingeschleppte Süsswassergarnele vermehrt sich rasant – Wie bedrohlich sind die fremden Arten?

    Vor Rorschach schwimmen Hunderttausende kleiner Garnelen. Es ist das vierte fremde Tier, das sich seit 2002 im Bodensee einnistete. Eine Gefahr für die Trinkwasserentnahme könnte die Quagga-Muschel werden, die bis Karlsruhe vorgerückt ist.

    Es muss eindrücklich, vielleicht auch unheimlich sein: Bei einem nächtlichen Tauchgang mit der Lampe in einen riesigen Schwarm von weisslich-durchsichtigen Garnelen von circa einem Zentimeter Grösse zu leuchten. Ringsum kleine weisse Punkte. Hans Ruedi Wittwer hat dies in den letzten Wochen erlebt, als er vor Goldach tauchte: «Es sieht aus wie in einem Schneegestöber.»

    Verstopfte Motorleitungen
    Der Präsident der Sektion Bodensee des Schweizer Unterwasser-Sport-Verbandes wurde diese Woche zudem von einem Mail aus der Region Genf aufgeschreckt, wo eine ähnliche Art der Garnele, auch Krill genannt, für Gesprächsstoff sorgt. Es ist sogar von einer Krillplage die Rede, die auch die Fischer beunruhigt. Die einen Zentimeter grossen Tierchen können offenbar die Leitungen verstopfen, mit denen Wasser zur Kühlung des Motors angesaugt wird.

    Kaum Gefahr für Fische
    Für die Fische dagegen bildeten die Süsswassergarnelen derzeit keine Gefahr, sagt Patrick Steinmann, Fachmann für eingeschleppte Wassertierarten. Dies könnte sich ändern, sollten die Tiere, die sich offenbar im kalten Wasser besonders gut vermehren, den Frühling in Massen überleben. Dann wären sie einerseits Futter für gewisse Fische, gleichzeitig aber Konkurrent für Jungfische, die sich wie der Krill von Kleinstplankton ernähren.

    Invasion der Fremden
    Ob die kleinen Garnelen den Frühling überdauern, ist fraglich. Sie waren nämlich bereits im Sommer 2006 in Bregenz beobachtet worden und hatten sich bis im Herbst nach Rorschach ausgebreitet. Nach dem Winter 2006/ 2007 allerdings stiessen die Taucher nicht mehr auf die Tierchen. Ob es die gleiche Art war wie die aktuelle, muss sich weisen.

    Mit den kleinen Krustentieren ist erneut eine ortsfremde Tierart in den Bodenseeraum vorgedrungen. 2002 wurde erstmals der Höckerflohkrebs festgestellt, 2003 die Körbchenmuschel, 2006 die Donau-Schwebegarnele. Bereits 1965 schaffte die Wandermuschel den Sprung, 1985 der Kaulbarsch, wie die Universität Konstanz in einem Communiqué vom Mittwoch zusammenfasst.

    Vom Schwarzen Meer
    Gemäss den bisherigen Forschungen ist die Zuwanderung eine Folge der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals 1992, die den Tierarten aus der Schwarzmeerregion den Weg nach Mitteleuropa öffnete. Bisher ohne grosse Folgen. Aber das kann ändern: «Jedes fremde Tier ist heikel, das zur Massenvermehrung neigt wie etwa der Krill», gibt Patrick Steinmann zu bedenken.

    Muschel bedroht Wasserfassung
    Zudem steht gemäss der Uni Konstanz eine weitere gefährliche Art vor der Tür. Die Quagga-Muschel hat sich bis nach Karlsruhe ausgebreitet. Anders als die Wandermuschel lebt sie in Tiefen bis zu 120 Meter und könnte daher die Wasserfassungen rund um den See verstopfen, wie dies in Nordamerika passiert ist. Die Konstanzer Forscher sprechen deshalb bezüglich Einschleppung neuer Arten von einem «ökologischen Roulette».

    Stichwort
    Süsswassergarnele
    Garnelen wie jene im Bodensee und Genfersee werden auch Krill genannt. Sie haben Ähnlichkeiten mit dem Krill, der Walen und anderen Meerestieren als Nahrung dient, leben aber im Süsswasser und sind mit 1 Zentimeter Länge deutlich kleiner. Tagsüber ruhen sie auf Steinen, am Seegrund oder auf Pflanzen. Nachts steigt das weisslich-durchsichtige Tier auf und kann durch Licht angelockt werden. Verbreitet wird es vor allem durch den Menschen: Findet sich eine feuchte Nische, überlebt es den Transport eines Bootes oder Taucheranzugs in ein anderes Gewässer. Auch ausgesetzte Zuchtbestände oder entleerte Aquarien tragen zur Verbreitung bei. Thomas Walliser Keel
    (twk)”

    http://www.tagblatt.ch/index.php?artikelxml=1452164&ressort=tagblattheute/ostschweiz&jahr=2008&ressortcode=tb-os&ms=rheintal#

    #57880

    Pömä
    Taucher

    Zum einen sicherlich für uns Taucher interessant, da es mal etwas anderes ist. Zum anderen ist diese Entwichlung allerdings mehr als nur bedenklich!!! Bis dato weiss man noch nicht, wie sich diese eingeschleppten Tierarten weiter verhalten werden…. Wäre schade um unsere schöne Unterwasserwelt, wenn sie durch solche Eindringlinge zerstört würde…

    #57881

    Octopus
    Taucher

    Heute Abend kam im SF DRS in der Sendung Schweiz Aktuell einen Beitrag über die Garnelen – Plage.

    Für die, die den Beitrag verpasst haben, hier den Link: http://www.sf.tv/var/videoplayer.php?catid=schweizaktuell&docid=20080111&nr=1&videourl=http%3A%2F%2Freal.xobix.ch%2Framgen%2Fsfdrs%2Fvod%2Fchak%2F2008%2F01%2Fchak_20080111.rm%3Fstart%3D0%3A00%3A51.795%26amp%3Bend%3D0%3A03%3A56.70

    #57882

    Excalibur
    Taucher

    Ich glaube, ich habe Heute zum ersten mal im Zürichsee zwei Süsswassergarnelen bei einem Nachttauchgang entdeckt. Zuerst dachte ich an Wasserasseln, doch ich hab mir die Dinger ziemlich gut angeschaut.. und irgendwie hatten die mehr von einer Garnele

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